Das war die Tagung 2015

Inklusion als Ziel an dem alle gemeinsam arbeiten

„Habt keine Komplexe, präsentiert euer Anderssein mit Stolz, kämpft selbstbewusst um Inklusion. Zeigt der Gesellschaft, was ihr geben könnt und welche Fähigkeiten ihr habt! Diese starke Botschaft richtet Pablo Pineda an Menschen mit Down-Syndrom. Die Gesellschaft kann enorm von Menschen mit Down Syndrom profitieren. Inklusion gelinge aber nur gemeinsam.

„Man erkennt am Umgang mit dem Anderssein den Reifegrad einer Gesellschaft“ ist eine weitere zentrale Feststellung des beeindruckenden Redners bei der 5. Down-Syndrom Tagung in St. Virgil, Salzburg. Man kann eindeutig sagen, dass der spanische Lehrer, Schauspieler und erster Uni-Absolvent Europas mit Trisomie 21 der Höhepunkt und der Publikumsmagnet war.

Mit so viel Humor, Souveränität und Leidenschaft spricht Pablo Pineda über seine Anliegen, sein Leben und seine Erkenntnisse. Er sieht sich selbst nicht als „Vorbild“ dem es nachzueifern gilt sondern setzt sich dafür ein, dass jeder so sein soll wie er ist und dass er das auch sein kann und darf. Und dass wir als Gesellschaft, als Eltern, als Lehrer, als Freunde das unterstützen sollen. „Ich bin nicht als Lehrer hier sondern ich möchte meine Erfahrungen mit Ihnen teilen.“ lauten seine Einführungsworte direkt nach der Begrüßung. Seine Erkenntnisse und Erfahrungen hat er als Buchautor bereits in zwei Büchern festgehalten.

Akzeptanz und Halt in der Familie als Basis

Pineda führte seine eigene Inklusion darauf zurück, dass er von klein auf von Eltern, der Familie, Nachbarn und Schulkollegen "normalen" Umgang erfahren durfte: "Ich bin stets akzeptiert worden, wie ich war, und bekam auch die Chance zu lernen, was ich lernen wollte." Nach Volks- und Mittelschule sowie Oberstufe schaffte Pineda auch die Hochschule, dank schrittweisen Besserungen der spanischen Gesetzeslage.

Eltern empfänden beim Down Syndrom ihres Kindes anfangs oft eine Art Schock oder unrealistische Ängste und Ungewissheit - weil sie zu wenig Vorstellung davon haben, wie ein solches Leben verlaufen kann. Es ist vielleicht anders als gewünscht, aber eigentlich besser" sein, wie Simone Fürnschuß-Hofer, Mutter des 13-Jährigen Valentins erklärte. "Mit Valentin erleben wir viele magische Momente, die es ohne ihn in unserer Familie nicht geben würde." Wesentlich seien in betroffenen Familien wie auch allgemein bei jedem Kind "sichere Bindungen und die Erfahrung eines unbedingten Angenommenseins als Mensch".

Fordern und Förderung

Mit dieser Grundlage lautet die Devise „Traut ihnen mehr zu – sie können viel mehr als man annimmt“ ist die Therapeutin Sabine Berndt überzeugt. Sie hat die LOVT (Lösungsorientiertes Verhaltenstraining) Methode entwickelt, die Eltern und Kindern mit Down Syndrom mittels Videoanalyse neue Entwicklungsschritte ermöglicht.

In Österreich noch viel Aufholbedarf bei Bildung und Arbeitsmarkt

Österreich ist eines der wenigen Länder in denen junge Menschen mit Down Syndrom nach dem Pflichtschulabschluss kein Anrecht mehr auf Bildung haben. „Gerade bei begabten Kindern mit großem Potential, die einfach nur ein langsameres Lerntempo haben,  hat diese Tatsache große Auswirkungen“ präzisiert die Vorsitzende von Down Syndrom Österreich Brigitte Sebald.  

Ebenso fehlen Lehrstellen für Teilqualifizierungen. Immer noch sind Betriebe, die sich auf ein Arbeitsverhältnis einlassen, die Ausnahme.  Vielfach ist Unkenntnis über das Leben mit Down Syndrom die Ursache.

Es gibt in Österreich keine Lobby für Menschen mit Down Syndrom. Die Verantwortung jungen Erwachsenen einen selbstbestimmten Lebensweg zu ermöglichen, liegt nach wie vor zum allergrößten Teil bei den Eltern. Inklusion gelingt nur wenn alle Teile der Gesellschaft ihren Beitrag leisten.

Down Syndrom Award für ihr Lebenswerk an Cora Halder

Die Auszeichnung erhielt die langjährige Vorsitzende des Europäischen Down Syndrom Vereinigung EDSA.  Als Autorin und Herausgeberin, Lehrerin und Anwältin von Menschen mit dem gewissen Extra hat sie in den letzten 30 Jahren medial, inhaltlich und vor allem mit großartigem Engagement das Bild von Menschen mit Down Syndrom in der Öffentlichkeit nachhaltig verändert hat.

Der Down Syndrom Award 2015 ging an Sabine Berndt für die Entwicklung der LOVT Methode in der therapeutischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen sowie deren Familien.

Mehr von mir!

Besonderes Lob für die Veranstaltung gab es von Pablo Pineda für die aktive Einbindung der anwesenden Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit Down-Syndrom. Es sei aus diesem Grund sein "bisher schönster Kongress" gewesen. Zum ersten Mal habe eine derartige Großveranstaltung "nicht nur über, sondern mit Down Syndrom" stattgefunden. Die jungen Menschen mit Down-Syndrom moderierten selbst Workshops und Präsentationen, absolvierten ein Arbeitstraining und waren mit zahlreichen künstlerischen Darbietungen während der drei Tage ständig präsent.

Die Tagung ist Informationsplattform für betroffene Eltern, PädagogInnen, TherapeutInnen und ÄrztInnen. Über 650 TeilnehmerInnen darunter etwa 100 Jugendliche und junge Erwachsene mit Down Syndrom besuchten die 3tägige Veranstaltung.