Das Warnke Verfahren

Das Warnke-Verfahren hilft  Kindern und Erwachsenen, die infolge zentraler Hörprobleme keine altersgerechte Sprachentwicklung zeigen. Ist die basale unbewusste Verarbeitung von Tonhöhen und Tonfolgen beeinträchtigt, kann sich diese Schwäche auf die gesamte Sprachentwicklung auswirken. Das Warnke-Verfahren setzt auf dieser untersten Ebene an. Fred Warnke hat zwei wirksame Geräte erfunden: Den Brain-Boy Universal zum Messen und Trainieren der basalen Verarbeitung von Sinnesreizen und den Lateraltrainer zur verbesserten Hirnhälftenkoordination.

3 Beiträge dazu tieferstehend:

  1. Projekt zur Sprach- und Leseförderung: der Beitrag bezieht sich auf ein derzeit in Salzburg nach dem Warnke-Verfahren laufendes mit Kindern mit DS in Salzburg
  2. Erfahrungsbericht einer Mutter
  3. Artikel "Therapeutische Unterstützung durch das Warnke Verfahren" 

weitere Informationen zum Warnke Verfahren finden Sie hier: http://www.meditech.de/

1. Projekt zur Sprach- und Leseförderung

von Dr. Karin Janotta

Ablauf des Projekts

Kinder im Alter von 5-14 Jahren nehmen an diesem Projekt teil. Jedes Kind hat einen Lateraltrainer und soll täglich 20-30 Minuten nach einem ihm angepassten Plan damit trainieren. Daneben gibt es eine Kontrollgruppe, die aus Kindern im gleichen Alter wie die Trainingsgruppe besteht, die aber kein Lateraltraining macht.

Wie funktioniert ein Lateraltrainer und was soll er bewirken?

Das Kind hört über Kopfhörer ständig wechselnd (linkes und rechtes Ohr) eine Modellstimme (z.B. die Stimme der Mutter oder eine CD) und kann gleichzeitig auf dem entgegen gesetzten Ohr seine eigene Stimme, die es in das Mikrofon spricht, hören. Wenn also das Kind auf dem rechten Ohr die Modellstimme hört, hört es gleichzeitig auf dem linken Ohr seine eigene Stimme. Kurze Zeit später wechselt die Modellstimme zum linken Ohr und die eigene Stimme wird am rechten Ohr gehört.

Durch diese beiden gegenläufigen Hörinformationen soll die Zusammenarbeit der beiden Gehirnhälften gefördert werden. Das Kind hat auch gleichzeitig einen dauernden Vergleich zwischen eigener Stimme und Modellstimme.

Zusammenfassung der bisherigen Erfolge:

Bei den folgenden Feststellungen beziehe ich mich jetzt auf die Angaben von Müttern und Lehrern, weil die wissenschaftliche Auswertung erst am Ende des Projekts präsentiert werden kann:

  • Die Kommunikation der Kinder hat sich verbessert.
  • Die Kinder haben das Lesen erlernt.
  • Das Lesetempo wurde gesteigert.
  • Das Kind kann jetzt selbständig Wörter schreiben.

Wie viel das Lateraltraining zu diesen Fortschritten beigetragen hat, kann am Ende des Projektes durch den Vergleich mit der Kontrollgruppe festgestellt werden.

2. Erfahrungsbericht Lateraltraining

von Angelika Höber

Vor etwa einem Jahr erzählte mir eine Freundin von schulischen Schwierigkeiten ihres Sohnes in der zweiten Klasse Volksschule und der Diagnose Legasthenie. Als Therapie wurde ihr ein Training nach Warnke vorgeschlagen.

Viele Probleme ihres Sohnes erinnerten mich an Schwierigkeiten meines Sohnes Valentin (damals 6 1/2 Jahre), gewisse Laute richtig auszusprechen und Wörter bzw. Sätze richtig nachzusprechen. Obwohl ich nicht das Gefühl hatte, dass Valentin prinzipiell schlecht hörte, fielen mir bei ihm folgende Probleme auf:

  1. Er reagierte oft erst nach wiederholten Ansprache
  2. Er war geräuschempfindlich und schon durch leise Geräusche ablenkbar.
  3. Sein Richtungshören war beeinträchtigt.
  4. Das Nachsprechen längerer Wörter fiel ihm schwer.
  5. Komplexe mündliche Anweisungen verstand er oft verzögert.

Diese Probleme sollten durch ein Training nach Warnke verbessert werden.

Über mehrere Umwege kam ich zu Frau Rothwangl, die diese therapeutische Unterstützung auch schon bei Kindern mit Down-Syndrom angewendet hatte. Im Mai 2003 kaufte ich den Lateraltrainer und je zwei Kopfhörer und Mikrophone.

Gemeinsam mit Frau Rothwangl begannen wir mit dem Übungsprogramm und haben seither einmal im Monat eine Therapiestunde, wo wir auch einen Übungsplan für den jeweils nächsten Monat erhalten. Während der Therapie hören sowohl Valentin als auch die Therapeutin Musik oder Geschichten über Kopfhörer. Gesprochen wird ausschließlich in ein Mikrophon und auch das hören beide über die Kopfhörer. Dabei pendelt das Gehörte wechselseitig zwischen linkem und rechtem Ohr.

Bis jetzt haben wir folgende Übungen gemacht:

  • Musikhören mit dem Lateraltrainer (während Valentin Kreise, 8er und Schlingen malt oder Puzzles baut)
  • Simultanlesen auf der Zwergerltafel. Das ist eine Lesetafel mit Abbildungen von Menschen, Tieren und Gegenständen des täglichen Lebens. Hier lernt Valentin Begriffe richtig zu benennen und auszusprechen (in der richtigen Leserichtung von links nach rechts und Zeile für Zeile von oben nach unten), wobei auch das Tempo ständig gesteigert wird. Zuerst liest Valentin einen Begriff vor, ich wiederhole ihn richtig, dann wiederholen wir ihn gemeinsam. Dabei bessere ich Valentin aber nicht aus, wenn er etwas falsch ausspricht, sondern er lernt durch mein mehrmaliges richtiges Wiederholen sehr schnell, auch schwierige Wörter richtig auszusprechen.
  • Sätze abwechselnd und simultan lesen
  • Pilotensprache (Buchstaben ähnlich dem Gehörlosenalphabet zur Unterstützung der richtigen Aussprache)
  • 8er Gehen
  • Fingerübungen, Zählen nach der Kybernetischen Rechenmethode
  • Reflexabbaunde Übungen
  • Überkreuzübungen
  • Fingerspiele
  • Basale Stimulation

Mittlerweile geht Valentin in die erste Klasse Volksschule und ich versuche, die Übungen mit dem Lateraltrainer in den täglichen Aufgabenplan einzubauen.

Valentin schreibt und rechnet mit dem Lateraltrainer, wobei er leise Musik über den Kopfhörer hört. Lesen (vor allem die Aussprache von ähnliche Wörtern wie unsere, unser, unserem usw.) fällt ihm deutlich leichter, wenn er sich selbst durch das Mikrophon im Kopfhörer hört.

Zusammenfassend möchte ich sagen, dass sich vor allem die Aussprache und er Wortschatz von Valentin deutlich gebessert haben. Er hat auch in der Schule beim Lesen kaum Probleme beim Zusammenlauten von Buchstaben.

3. Therapeutische Unterstützung durch das Warnke Verfahren

von Dorothea Rothwangl

Was ist das Warnke Verfahren?

Der Kommunikationsberater Fred Warnke hat in langjähriger Entwicklungstätigkeit ein umfassendes Verfahren für die Prüfung und das Training von Automatisierungsstörungen geschaffen.

Automatisierungsstörungen werden als Ursache von Lernproblemen gesehen. Bis vor kurzem waren diese Automatisierungsstörungen nicht messbar und deshalb auch nicht behandelbar.

Die Theorie geht davon aus, dass die Betroffenen in frühester Kindheit nicht die Gelegenheit hatten, innere Lautbilder anzulegen, sodass sie auch keine tragfähigen Beziehungen zu Aussprache und Buchstaben entwickelten.

Hier setzt das Warnke Verfahren gezielt an.

Der Prüfablauf:
In spielerischer Form werden dreizehn Funktionen getestet und mit Normdaten verglichen.

Das Training beruht auf drei wichtigen Eckpfeilern:

Automatisieren der Verarbeitung von Sinnesreizen im Hören und in der Motorik. Um die Geschwindigkeit der Verarbeitung im Gehirn anzukurbeln und sie zu automatisieren, wurde der Brain-Boy-Universal entwickelt. Dieses Handgerät verfügt über sieben Funktionen.

Automatisieren der Hemisphären-Koordination
Der Lateraltrainer wurde entwickelt, um das Zusammenspiel der beiden Hirnhälften zu fördern und die Automatisierung zu beschleunigen. Durch wechselseitiges Beschallen der Ohren, einem Hin- und Herpendeln des Gehörten, kann eine bessere Vernetzung und Zusammenarbeit der beiden Gehirnhälften bewirkt werden. Nervenbahnen werden aktiviert und gestärkt.

Automatisieren des visuellen Lexikons
Durch Visualisieren werden Wörter und Buchstaben gezielt erlernt und mangelhafte innere Abbildungen korrigiert. Besonders effizient ist dazu das PC-Programm „Orthofix“.

Durch erweiterte therapeutische Maßnahmen aus der Ergo- bzw. Mototherapie kann die Betreuung von Kindern mit Sprach- und Lernproblemen durch das Warnke Verfahren effizient und schnell erfolgen. Erste positive Reaktionen treten meist schon nach einigen Wochen auf.