Delfin-Therapie

Informationsportal Delphintherapie  >> http://www.delphintherapie.org/

Hallo, Onkel Doc Delphin!

ein Erfahrungsbericht von Ulrike Slama
    

September 1997, es war ein sonniger Tag, als meine beiden Töchter und ich in Miami aus dem Flugzeug stiegen. Nun waren wir also endlich da! Wie sehr hatte ich mich auf diesen Tag gefreut. Drei herrliche Wochen lagen vor uns. Dies sollte aber kein normaler Urlaub werden. Wir waren gekommen, um meiner kleineren Tochter Miriam ein besonderes Geschenk zukommen zu lassen den Aufenthalt bei Dolphin Therapy.

Miriam kam am 1. Oktober 1994 als unser zweites Wunschkind zur Welt. All die Freude während der Schwangerschaft wurde mit einem einzigen Satz nach der Geburt vernichtet: "Ihr Kind hat das Down-Syndrom." Wie ein unüberwindbarer Berg lag unser Leben nun vor uns - zumindest schien es uns am Anfang so. Doch die Liebe zu unserer Tochter war einfach stärker als die Angst vor ihrer Behinderung. Und so wurde es unser Ziel, sie zu einem selbständigen, aber vor allem glücklichen Leben zu führen.

Wie alle betroffenen Eltern auch suchten wir für unsere Tochter die richtigen Therapieformen. Und haben sie nach einigen Umwegen auch gefunden. Doch immer wieder geisterte das Schlagwort "Delphin-Therapie" durch unsere Köpfe. Wir hatten schon viel über diese Therapieform gehört und gelesen, wie viel behinderte Kinder davon profitieren würden, also nahmen wir kurzerhand mit dem Delphin-Zentrum in Florida Kontakt auf. Als man uns sämtliche Unterlagen mit den dazugehörigen Anmeldeformularen zusandte, waren wir sehr aufgeregt. Es sollte nun also ernst werden.

Ich las mir alles mehrmals durch, und immer wieder blieb ich besorgt an einem Satz hängen: "Sollte Ihr Kind Angst vor Tieren haben, kann der Erfolg der Therapie weitgehend beeinträchtigt werden." Unsere Miriam hatte nun aber panische Angst vor jedem noch so kleinen Tier, ja sie wurde nahezu hysterisch, wenn sich selbst ein Meerschweinchen auf sie zu bewegte. Wie sollte sie da mit einem so großen Delphin im Wasser sein? Dieser Gedanke bereitete mir große Sorgen. Doch ich schob ihn immer wieder zur Seite und dachte mir: Wenn die Delphine wirklich so viel vollbringen können, warum sollten sie meiner Miriam nicht auch die Angst nehmen! Da mein Mann nicht so viel Urlaub nehmen konnte, flog ich nun mit meinen beiden Töchtern alleine los.

Bewaffnet mit allen möglichen Informationen, die wir von Dolphin Human Therapy (kurz DAT) bekommen hatten, fuhren wir nun vom Flughafen in unser Hotel auf Key Biscayne, das uns von DHT empfohlen wurde.

Am nächsten Tag lernten wir dann auch die anderen Familien kennen, die an dem Programm teilnehmen würden. Die Kinder hatten die unterschiedlichsten Behinderungen und kamen aus allen Teilen der Welt. Sie wussten natürlich noch nicht, dass zwei oder auch drei aufregende Wochen vor ihnen lagen, aber wir Eltern waren alle sehr aufgeregt. Und am nächsten Tag ging dann alles los. Am Vormittag trafen wir uns alle im Büro von DHT zur Orientation Session. Wir wurden aufs Allerherzlichste begrüßt, bekamen alle nur erdenklichen Informationen für die nun folgenden Wochen. Und wir alle fühlten uns sofort sicher und eingebettet wie in einer großen Familie. Und da war noch ein Aspekt: Wir hatten das Gefühl, mit unseren Bemühungen und Sorgen unsere Kinder betreffend nicht mehr alleine zu sein. Da war nun ein ganzes Team von wunderbaren Menschen und in erster Linie Delphine, die uns für einige Zeit liebevoll unterstützen würden.

Delfin-Therapie Kind mit Delfin

Und dann kam der ersehnte Augenblick. Unsere Kinder sollten den ersten Kontakt mit den Delphinen aufnehmen. Als wir zu dem großen Meerwasserbecken kamen, wurde Miriam ganz aufgeregt. Sie kannte Delphine von Videos, Büchern und Spielzeug, mit dem ich sie sehr intensiv vorbereitet hatte. Immer wieder zeigte sie aufs Wasser und rief: "Mama, da!" Und dann kam unsere Therapeutin und ging mit Miriam zum Wasser. Sie setzten sich auf eine im Wasser schwimmende Plattform und plauderten einige Zeitlang. Und dann kam Reply, einer der Delphine ans Dock geschwommen. Dee, Miriams Therapeutin, hielt ganz vorsichtig Miriams Bein in Richtung Wasser, und der Delphin liebkoste mit seiner Schnauze ganz liebevoll ihre Fußsohlen. Ich hielt die Luft an. Was war nur mit meiner Tochter los? Wo blieb ihr hysterischer Schreikrampf? Ich konnte es nicht glauben! Und dies sollte der Beginn einer wunderbaren Freundschaft zwischen meinem geliebten Kind und diesen wunderbaren Tieren werden!

Die Dolphin Human Therapy beruht auf dem Belohnungsprinzip, deren Ziel es ist, eine Veränderung im Verhaltsmuster der Kinder zu erreichen, die vorhandenen positiven Veranlagungen hervorzuheben und deren Entwicklung zu fördern. Die Fördertechnik besteht darin, die Konzentrationsspanne, die bei behinderten Kindern ja sehr niedrig ist, immens zu erhöhen.

Dem kleinen Patienten wird eine - dem Entwicklungsstand und dem Grad der Behinderung - angemessene Aufgabe gestellt, wie zum Beispiel ein Wort zu artikulieren, das ihm vorher mit Hilfe von Bildern oder Gegenständen und Sprache visuell und akustisch vermittelt worden ist; oder das richtige Bild dem vom Therapeuten gesprochenen Wort zuzuordnen.

Dazu ist eine hohe Konzentration und Willenskraft erforderlich, die das Kind aber aufbringen möchte, weil es auf die anschließende Belohnung wartet, mit dem Delphin zu spielen, ihn zu streicheln oder mit ihm zu schwimmen. Diese so intelligenten, sanften und zärtlichen Tiere geben den Kleinen Selbstsicherheit und vor allem große Freude am Erfolg.

Delfin und Menschen schwimmen gemeinsam

In einem Interview, das Dr. Nathanson während unserer Anwesenheit in Miami gab, sagte er: "Der Kontakt zu Delphinen stellt für die Kinder einen sehr viel größeren Anreiz dar als das mündliche Lob eines Lehrers. Dadurch wird die Motivation der Kinder, am Unterricht teilzunehmen, wesentlich erhöht. Durch die stressreduzierende Wirkung der Delphine und auch des Wassers sind die Kinder sehr entspannt und dadurch viel aufnahmefähiger." Während der gesamten Therapiedauer beschäftigt sich immer derselbe Therapeut mit "seinem" Kind. Komplett wird das Team durch einen Assistenten, einen Protokollführer, einen Delphintrainer und bis zu fünf Delphinen. Diese kleine Gemeinschaft, die voll auf den kleinen Patienten konzentriert ist, versucht nicht nur mit medizinischem Wissen, sondern auch mit viel Enthusiasmus, Wärme, Zärtlichkeit, Ansporn und Lob scheinbar spielerisch das Beste aus dem Kind herauszuholen. Die Delphine werden immer wieder herangerufen, um die Motivation aufrechtzuerhalten. Und allen Tierfreunden möchte ich auch gleich mitteilen, dass dies für die Delphine keine Tortur bedeutet, sondern ihnen Freude macht. Ein Delphin spürt sehr genau, welch große Freude die Kinder an ihm haben, erkennt die Bedürfnisse, weiß genau wie zärtlich er zu ihnen sein muss.

Außerdem hat er einen natürlichen Spieltrieb. So genießt er es, wenn ihm das Kind einen Gegenstand ins Wasser geworfen hat, diesem dem Kind wieder zurückzubringen. Die gesamte Therapie wird von einem Fotografen auf Video aufgezeichnet. Das Band können die Eltern mit nach Hause nehmen, um bei der dortigen weiterführenden Therapie die Situation für das Kind rekapitulierbar zu machen und mit Hilfe des Erinnerungsvermögens weitere Erfolge zu erzielen. Unsere Miriam wurde süchtig nach diesen wunderbaren Tieren. Und auch heute, wenn ich ihr das Video zeige, ist sie ganz entzückt, wenn sie sich selbst mit den Delphinen im Wasser beobachten kann. Sie wurde in nur drei Wochen von einem ängstlichen, sehr stillen kleinen Mädchen zu einer selbstbewussten und aufgeweckten kleinen Dame. Abgesehen von den sprachlichen Fortschritten, die sie in Miami gemacht hat, ist sie nun ausgestattet mit dem gerade für diese Kinder so wichtigen Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten. Und sie lernt viele Dinge nun wie von selbst. Doch nicht nur für Miriam, sondern auch für ihre große Schwester Melanie und mich war dieser Aufenthalt ein wunderbares Erlebnis. Melanie wurde von der Therapeutin immer wieder in ihre Arbeit miteinbezogen, und sonst hatte sie viel Spaß an dem Programm, das für die Geschwisterkinder erarbeitet wurde. Und den Rest des Tages verbrachten wir am Meer und ließen einfach unsere Seele baumeln.

Einen Gedanken möchte ich Ihnen allen nun noch mitgeben, den ich an einem Abend in Miami in mein Tagebuch geschrieben habe: Die Amerikaner kennen das Wort "behindert" nicht, sie nennen unsere Kinder "children with special needs" - "Kinder mit besonderen Bedürfnissen", und so ist es ja auch. Diese Kinder haben besondere Bedürfnisse. Aber dafür sind sie auch ganz besondere Kinder!

dolphin support austria - Verein-Kinder-Delphin-Therapie