Schlafbezogene Atmungsstörungen

bei Kindern und Jugendlichen mit Down Syndrom

Down-Syndrom Tagung September 2015, Themenblock medizinische Besonderheiten
Dr. Philipp Eickhoff-Maksys, Facharzt für Kinder- und Jugendheilkunde
Spezialisierung in Pädiatrische Pulmologie und Schlafmedizin

schlafendes Baby

Kinder mit Down Syndrom sind gefährdet, Atemprobleme im Schlaf zu entwickeln (30-60% mit Down Syndrom im Vergleich zu 1% der Kinder ohne Down Syndrom). Häufig bleiben diese Atemprobleme unerkannt. Eine Schlaflaboruntersuchung ermöglicht eine frühe Diagnose, um notwendige Therapieschritte einzuleiten und somit eine gute Entwicklung zu gewährleisten.  

Obstruktives Schlafapnoesyndrom

Das obstruktive Schlafapnoesyndrom ist eine Erkrankung, bei der es im Schlaf durch Verengungen der oberen Atemwege zu einer angestrengten Atmung oder sogar zu Atempausen mit Sauerstoffsättigungsabfällen kommt. Beides führt im Gehirn zu Alarm- und Weckreaktionen, damit die Atemwege frei gemacht werden und das Kind wieder zu atmen beginnt. Die zahlreichen Weckreaktionen verursachen eine Störung der Schlafarchitektur mit vermindertem Traumschlaf und beeinträchtigen damit den Erholungseffekt des Schlafes. Typische Beschwerden sind ungewöhnliche Schlafpositionen wie eine überstreckte Kopfhaltung oder eine Knie-Ellbogen-Lage, Mundatmung beim Schlafen, häufiges nächtliches Erwachen, gehäufte Albträume, übermäßiger Nachtschweiß, erneutes Einnässen, verzögertes morgendliches Erwachen, morgendliche Kopfschmerzen und Appetitlosigkeit. Zudem kann es bei betroffenen Kindern zu einer vermehrten Tagesmüdigkeit oder Unruhe, zu Verhaltensauffälligkeiten sowie zu Konzentrationsschwierigkeiten kommen.  

Längerfristig führen die Störung des Schlafes und die Sauerstoffsättigungsabfälle zu einer Schwächung der Aufmerksamkeit und der Gedächtnisfunktion und damit des Lernens mit messbarer Auswirkung auf die Intelligenz. Betroffene Kinder werden zusehends verhaltensauffällig und können Erkrankungen wie das Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssyndrom (ADHS), Angststörung, autistische Züge und Depression entwickeln. Außerdem können ernsthafte Folgen auf das Herz-Kreislaufsystem (Bluthochdruck), das Gedeihen und das Wachstum des Gesichtsschädels entstehen. 

Anatomische Besonderheiten

Aufgrund der typischen anatomischen Merkmale des Gesichtsschädels, der Enge der oberen Atemwege, der relativ großen Zunge, des Übergewichts und der Muskelschwäche können Kinder mit Down Syndrom weitaus häufiger an einem obstruktiven Schlafapnoesyndrom erkranken. Die Häufigkeit liegt zwischen 30 und 60%. Im Vergleich dazu haben Kinder ohne Down Syndrom ein Risiko von 1%. 

Die Diagnose

Die Herausforderung liegt in der richtigen Diagnosestellung. Nicht alle schnarchenden Kinder mit abnormen Schlafpositionen haben Atemschwierigkeiten im Schlaf. Andererseits können beachtliche Atemstörungen ohne typische Beschwerden vorliegen. Aus diesem Grund wird empfohlen, dass jedes Kind mit Down Syndrom eine Schlafuntersuchung (Polysomnographie) erhalten soll. Für die Polysomnographie werden die Kinder samt Elternteil für eine Nacht stationär aufgenommen. Die Untersuchung ist völlig schmerzfrei.  Die Befundbesprechung findet mit Ihrem behandelnden Arzt statt.

Die Behandlung

Beim Nachweis eines obstruktiven Schlafapnoesyndroms muss mit einem HNO-Arzt besprochen werden, ob eine operative Entfernung der Rachen- oder Gaumenmandeln erforderlich ist. In der Hälfte der Fälle wird eine Besserung des Schlafapnoesyndroms beobachtet. Falls eine HNO-Operation nicht notwendig oder die Besserung postoperativ ausgeblieben ist, sollte überlegt werden, ob eine nächtliche Beatmungstherapie mit einer CPAP (continous positive airway pressure)-Maske ratsam ist. Dadurch kommt es zu einem Offenhalten der Atemwege. Zwei Drittel der Kinder mit Down Syndrom tolerieren die CPAP-Therapie. Je jünger das Kind ist, desto leichter wird die Mund-Nasen-Maske oder Nasen-Maske akzeptiert. Je nach Ausmaß und Ursache der nächtlichen Atemstörung können auch Logopädie und eine individuelle Gaumenplatte hilfreich sein. Nach Diagnose eines obstruktiven Schlafapnoesyndroms und Beginn der entsprechenden Therapie werden ca. sechs- bis zwölfmonatige Kontrollen im Schlaflabor durchgeführt, um die notwendige Behandlung anzupassen oder zu beenden.  

Das Ziel sollte immer sein, ein obstruktives Schlafapnoesyndrom möglichst frühzeitig zu diagnostizieren, die richtigen Therapieschritte einzuleiten, um eine gute geistige Entwicklung zu gewährleisten - unabhängig davon, ob es sich um ein Kind mit oder ohne Down Syndrom handelt. 

Kontaktinformation
Dr. Philipp Eickhoff-Maksys, Facharzt für Kinder- und Jugendheilkunde St. Josef Krankenhaus
Tel: 0699/19404 503
Email: philipp.eickhoff@gmx.at

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