Rechnen mit Links und Rechts

YES, WE CAN! – Wie Rechnen Menschen mit Down-Syndrom auch Spaß machen kann 

Start als EU-Projekt

„Yes, we can!“ startete als EU-Projekt unter der Projektleitung von Österreich in Zusammenarbeit mit den Ländern Deutschland, Rumänien, Tschechien, Italien und Dänemark.  

So lernten europaweit etwa 600 Menschen mit Down Syndrom dieses Rechensystem kennen, damit arbeiten und so ihre mathematische Kompetenz verbessern um damit zu einem besseren Verständnis von Geld, Maßen, Mengen und der Uhr befähigt zu werden. 

Was ist „yes we can!“?

„Yes we can!“ ist eine Methode des "kybernetischen Fingerrechnens", entwickelt von Mag. Bernadette Wieser, päd. Institut "Leben Lachen Lernen" in Leoben.  

Die Rechenfähigkeiten von Menschen mit Down-Syndrom liegen vielfach weit hinter ihrem allgemeinen Leistungsniveau zurück. Infolge wird Kindern mit Down-Syndrom (DS) während ihrer schulischen Laufbahn häufig die Fähigkeit, mathematische Strukturen zu entwickeln, abgesprochen und nur sehr wenige von ihnen erlernen die Grundrechnungsarten.  

Rechnen erfordert das Zusammenspiel bestimmter Teilfunktionen des Gehirns, wie Behalten, Verstehen, Konzentration, Motorik und Koordination. Wahrscheinlich sind jene Bereiche des Gehirns, die für das Aufnehmen, Verarbeiten, Speichern und Wiedergeben von Rechenprozessen zuständig sind, bei Menschen mit DS weniger funktionstüchtig als andere Bereiche. Und deshalb ist es entscheidend, Fördermaßnahmen einzusetzen, um die zwar eingeschränkten, aber doch vorhandenen Ressourcen zu nützen. 

Für alle Altersstufen

Das “Yes, we can!” Programm ermöglicht den Einsatz für Lernende vom Kleinkind- bis zum Erwachsenenalter durch den ansteigenden Schwierigkeitsgrad der Übungen. Somit ist eine effiziente Differenzierung gegeben.

Das Alter der im „Yes, we can!“-Projekt geschulten Menschen mit Down Syndrom weist eine große Streubreite auf: vom einjährigen Kleinkind bis zum betagten 59-jährigen Menschen. 

Breites Einsatzgebiet

Das „Yes, we can!“ Programm ist für die Umsetzung in Kindergärten, Schulen, Therapie- und Erwachsenenbildungseinrichtungen gleichermaßen geeignet wie für das Training beim Menschen mit Down Syndrom zuhause.

Nicht nur für Menschen mit Down Syndrom geeignet

Die Anwendung des  „Yes, we can!“ Programms wird durch differenzierte Adaptionen auch für Lernende ohne Down Syndrom nutzbar, dies vor allem für SchülerInnen mit unterschiedlichen Entwicklungsverzögerungen, Rechenschwächen und Schwierigkeiten in der Teilleistungsentwicklung. 

Aufbau von Mengenverständnis und Abstraktion

Der Erwerb mathematischer Fähigkeiten erfordert ein systematisches, schrittweises Vorgehen in vier Stufen:
* Handlungsstufe (3 Gegenstände: sehen, hören, riechen, schmecken, angreifen)
* Bilderstufe (Abbildung 3 Gegenständen, 3 Symbole, Würfel)
* Symbolstufe (Ziffer 3)
* Automatisierungsstufe

Lernen mit allen Sinnen unterstützt die Abspeicherung in unterschiedlichen Bereichen des Gehirns, denn auf ganzheitlichen Körper- und Raumerfahrungen baut später ein Orientieren im Zahlenraum auf;

Erfahrungen müssen den Kindern bewusst gemacht werden, es muss darüber gesprochen werden, es müssen Begriffe aufgebaut werden: z.B.
* Mengen können sich in der Anordnung, im Aussehen ändern und bleiben trotzdem gleich viel. (Perlen auf einer Kette, im Kreis angeordnet ...)
* ein Apfel in Spalten ergibt zusammengesetzt immer noch einen Apfel
*Vergleiche ziehen: lang, länger, der Längste, kurz, mehr, weniger, gleich viel

Fingerrechnen

Vorteile:
* die Finger hat man immer dabei
* feinmotorische Bewegung + Sehen + Sprache: Kind erlebt auf taktilem, visuellem und akustischem Sinneskanal eine Verbindung zwischen Menge und Ziffer

Gezählt wird von links nach rechts (entsprechend der Schreibrichtung, kleiner Finger der linken Hand = 1). Anfangsschwierigkeiten beim Ausstrecken einzelner Finger können durch sanfte Unterstützung überwunden werden.

Materialien

alle zu bestellen im Down-Syndrom Zentrum Leoben